Die folgende Erzählung hat Siv nach der Geburt meines Sohnes geschrieben. 

Samen, Fruchtbarkeit und Vollmondkind

Es ist eine Nacht im Frühling. 

Schleichende Füchse. 

Rufende Eulen. 

Katzen auf Wanderschaft.

Kleine zitternde Mäuse mit pochenden Herzen. 

Das Leben ist im Gange.

In einem Haus, das noch nie den Lärm des Verkehrs gehört hat, leuchtet es mild und warm aus einem der Fenster. Im Inneren des Hauses geht eine Frau umher. Sie hebt hier etwas auf, legt es dort wieder hin. wie es Frauen für gewöhnlich tun. Steht eine Weile an einem der Fenster. Sieht hoch zum Vollmond. Schickt einen Gedanken an die alte riesige Tanne, die wachend und beschützend dort oben am Pfad in den Wald steht. Hört den Geräuschen des Alltags um sich herum zu. Kühlschrank und Gefrierschrank brummen. Der Flurboden knarzt. Sie ist ruhig und geborgen. Legt ihre Hände in einer weichherzigen, segnenden Geste auf ihren Bauch.

"Ich weiß, dass Du jetzt ungeduldig bist", flüstert sie.

Sie wird ein Kind zur Welt bringen. Hier in ihrem Haus wird sie es zur Welt bringen. Das hat sie die ganze Zeit gewusst. Seit sich die Seele, die sich die Frau als ihre Mutter für diese Erdenreise auserwählt hat, zu erkennen gab. Sich ein Nest tief in ihrem Körper bereitet hat. 

Die, die zuerst wusste, dass er angekommen war, war das Mädchen, das seine große Schwester werden sollte.

"Mama, du hast ein Baby im Bauch", hatte sie gesagt. So etwas wissen alle kleinen großen Schwestern, wenn ihre uralte Weisheit in Frieden gelassen wird.

Die alte Katze wusste es auch. Alle alten Katzen wissen so etwas...

 

Und dann ist es Zeit!

Er kommt in der Vollmondkraft und im Licht der Morgendämmerung. Ein Junge hat in großer Eile eine neue Erdenreise angetreten.

 

Als wir uns auf meinem blauen Sofa niederlassen, die Frau, der Junge und ich, hat er schon fast zwei Monate auf der Erde verbracht. 

Er ist vollständig präsent. Alle seine Sinne sind auf Empfang gestellt. Das ist das, was er genau jetzt machen muss: empfangen und integrieren.

Jede Sekunde ist wichtig. Jede Geste, die wir machen, jede Bewegung, jeder Tonfall, jede Vibration, alles wird zu dem gelegt, was er schon als Gepäck dabei hat. Die ganze Erdenreise soll von Nutzen für sein spirituelles Wachstum sein. Und wenn er eines Tages wieder geht, soll alles, was er jetzt erleben darf, bewahrt sein für das nächste Mal und das nächste und...

Die Frau erzählt von den ersten vier Stunden. Das war die Zeit, die es brauchte für den kleinen blauäugigen, blau gekleideten Jungen, der da in meinem blauen Sofa liegt, um ganz und gar ein Erdenwesen zu werden.

Der Raum, in dem wir sitzen, duftet nach Windeln, Wischtüchern und Wickelbaby. Und warmer Milch, als die Frau das Kind von der einen Brust zur anderen wechselt.

 

Ich beginne, die Botschaft, die ich durch das Höhere Selbst des Kindes empfangen hatte, zu vermitteln. 

Zuerst höre ich das Wort "Eskorte". Jemand ist dem Jungen gefolgt, um ihm dabei zu helfen, seinen Weg zu finden. 

 

"Selbständig" ist das nächste Wort. Selbständig und frei, um anderen helfen zu können. Dein Junge wird es eilig haben mit dem Großwerden. Er ist ein Humanist und Führer. Er lehrt euch viel. Nehmt es an!

Er ist von großer Bedeutung für den Platz auf Mutter Erde, um den ihr euch gerade kümmert. Er übernimmt ihn von der alten Katze. Sie, die mehrere ihrer Leben auf diesem Flecken gelebt hat und den Auftrag hat, die vereinigende Verbindung nach hinten und nach vorne zu sein.

Sie hat auf ihren Nachfolger gewartet. Wenn sie die Erde verlässt, wirst du eine Veränderung spüren, vielleicht eine richtige Verwandlung des Kindes. 

- Sie ist sehr alt jetzt, sagt die Frau. Sehr müde. Ihre Nieren arbeiten nicht richtig. Ich glaube, dass sie sich langsam verabschiedet. Es fing an, als ich schwanger wurde. Dann kam das Kind. Dann bekam das Huhn Küken. Und gerade hat die jüngere Katze Junge geworfen.

Man könnte meinen, dass eine Fee, auf Fruchtbarkeit spezialisiert, im Haus und im Garten herum getanzt ist. Ihren Zauberstab geschwungen hat. 

Kleine Samen hier und da gesetzt hat.

Die alte Katze weiß, dass ihre Erdenzeit für dieses Mal verrinnt. 

Es ist genau so wie es sein soll. 

 

- Dieser Junge hat auch eine künstlerische und ästhetische Seite, fahre ich fort.

Es ist wichtig, dass du seinen gesamten Lebensweg stimulierst. 

Ich habe ein Bild gesehen, in dem er etwas mit seinem Vater zusammen baut. Eine Konstruktion, die mit dem Wachstum und der Entwicklung des Platzes zusammen hängt, auf dem ihr wohnt. Sie sind draußen. Das Holz, das sie bearbeiten, ist neu und hell. Ich höre die Worte "sieben - acht Jahre". Kann das Alter des Jungen sein zur Zeit des Ereignisses, das ich sehe, oder vielleicht die Zeit, die es bis zur Fertigstellung des Projektes braucht. Ich höre auch "Neun". Das ist die Ziffer für seinen Lebensweg, kann hier aber natürlich auch auf etwas ganz anderes hindeuten. Die Antwort kommt, wenn es an der Zeit ist. So ist das immer.

Da er leicht auf einer höheren Frequenz als Mutter Erde schwingt, ist diese praktische Arbeit gut. Es hilft ihm, sich zu erden.

Obwohl ihr Vegetarier seid, ist es wichtig, dass er manchmal Fleisch isst. Dieses soll gutes und glückliches Fleisch sein! Von Tieren, die das stärken, was gestärkt werden soll. Zum Beispiel kann ein Hirsch Beweglichkeit, Wachsamkeit und Gruppengefühl stimulieren, während ein Schaf eine beruhigende Wirkung haben kann.

Dabei geht es nicht darum, "Fleischesser" zu werden! Hier wird Fleisch als ganz machend, heilend, stärkend verwendet. Medizinisch, wenn man will. "Einige Male im Jahr", ist das, was ich zu hören bekomme. Du wirst jedes Mal wissen, wann es Zeit dafür ist und auch, welche Art von Fleisch es sei soll. Du wirst auch Führung erhalten, wo du das Fleisch finden wirst, das du dann brauchst.

 

Der, der dich vor allem führt, ist das Kind selbst. Du musst die sein, die zuhört, beobachtet, anbietet. 

Das weißt du schon.

Du hast die Zuversicht.

Du arbeitest schon lange mit dem Höheren Selbst des Kindes zusammen.

Ich darf erfahren, dass der Junge als Erwachsener Vegetarier sein wird. Aber während der Zeit, in der er Kind ist, kann vollständig vegetarische Kost irgendwann dazu führen, dass er allzu frei auf dieser wunderbaren Frequenz schwebt. Die Frequenz, auf der derjenige, der sich dorthin erhöht, gerne bleibt. 

Er soll jetzt hier sein. Dafür ist er gekommen. Aber mit dem Auftrag, eine vermittelnde Verbindung zwischen den Zeiträumen zu sein. Und da ist es leicht, in einem behaglicheren Zustand zu bleiben als den, den das Erdenleben anbietet. 

Vibriert er auf einer solch hohen Frequenz, dass es schwer für ihn wird, überhaupt in die vierkantige Zeit und die vierkantige Gesellschaft zu passen, in der wir nun mal gerade leben müssen, dann läuft er Gefahr, missverstanden oder überhaupt nicht verstanden zu werden. 

Gewiss wäre dies wirklich schade für eine freie und selbständige Seele, die hier auf Erden so viel zu schaffen hat! 

 

Es ist an der Zeit, sich zu verabschieden. Die Frau sammelt in der für Frauen selbstverständlichen Weise alle Dinge zusammmen, die sie dabei hatte und die es braucht, wenn ein kleiner Mensch einen Besuch abstattet.

Dann sind sie fort. Mutter und Sohn. Auf dem Weg zurück zu dem Haus, zu dem der Verkehrslärm niemals durchdringt.

Wo der Vollmond in ein paar Tagen wieder die Nacht erhallen wird.

 

Ich hole eine Plastiktüte und stecke vorsichtig die große Samenkapsel hinein, die ich als Geschenk erhielt. 

- Das ist weißer Mohn, sagt die Frau. Er blüht nur einen Tag.

 

Ich werde die Samen säen. Bald. Ich binde die Tüte mit Bast zu und befestige sie an der Wand. Dort, wo ich sie jedes Mal sehe, wenn ich aus meinem Haus gehe.