Gartenzusammenarbeit

- Du sollst die Tiere gründlich beobachten. Vor allem die Wilden. Konzentriere dich auf deren Verhalten gegenüber Pflanzen.

Diesen Rat gibt mir Osse Katzenkönig in meinem Buch "Der König und der Waldmeister".

 

Es ist ziemlich mager mit wilden Tieren im Garten rund um das Haus, in dem ich seit ein paar Jahren wohne. Umso größer ist meine Freude, als ich höre, wie es in den hellen Vorsommernächten draußen vor meinem Schlafzimmer grunzt und schnüffelt. 

-Willkommen! flüstere ich und schlafe zum Rascheln unter der Terrasse nebenan ein.

Tagsüber denke ich manchmal an ihn. Auf telepathischem Wege habe ich gelernt, dass der Dachs, der Gefallen an meinem Garten gefunden hat, ein junges Männchen ist. Vielleicht hat er sich gedacht, mit der Familiengründung noch ein Jahr zu warten. Vielleicht unternimmt er nur kurze Nachtwanderungen in freien Stunden. Darüber erfahre ich nichts. 

Kleine Löcher hier und da in meinen minimalistischen Beeten zeigen, wo er den einen oder anderen fetten und köstlichen Wurm erschnüffelt hat. Da komme ich auf eine Idee!

Eine Freundin hat mir einen Topf Petersilie aus ihrem gut gefüllten Garten geschenkt. Es ist Zeit, die Pflanze jetzt ins Freiland zu setzen. 

Ich erzähle dem Dachs, wo ich die Petersilie haben möchte. Erwartungsvoll gehe ich am nächsten Morgen zum kleinen Gemüsebeet. Dort wartet ein Loch, genau passend für den Inhalt im Pflanztopf. Er hat sogar sein großes Geschäft in das Loch hinein gemacht. Gedüngt und bereit kann man wohl sagen! 

So geht es weiter. Ich erzähle dem Dachs, den ich im Übrigen niemals treffe, mit was ich Hilfe brauche.

_ Hier brauche ich ein paar Löcher für die Zucchinipflanzen. Aber auf diese kleinen Pflanzen hier sollst Du Acht geben.

Das geht wie geschmiert!

Ich habe zwei Komposthaufen, die zum Bepflanzen bereit sind.

Ich weiß nicht, ob "mein" Dachs irgendeinen Mithelfer hatte, oder ob er einfach nur extra eifrig in seiner Gartenarbeit war, aber eines Morgens sehe ich, dass die neu gesetzten Pflanzen fast ausgegraben wurden.

Wahrscheinlich weiß der Dachs wirklich gut, was er macht, aber nun ist es Zeit, dass die Pflanzen sich ausbreiten dürfen, denke ich. 

Ich will ihm eine Belohnung geben für all die Arbeit, die er sich gemacht hat.

- Du bekommst den zweiten Komposthaufen! sage ich. Ich lasse es sein, darauf etwas zu pflanzen. Bitteschön!

Er kommt für einige Nächte zurück. Stochert ein wenig oberflächlich in seinem Komposthaufen herum und untersucht etwas gründlicher den Neuen, der noch im Aufbau ist und auf dem Gemüse- und Obstreste offen herumliegen.

 

Nun ist es Hochsommer und lange her, dass es draußen vor meinem Schlafzimmerfenster geschnüffelt hat. 

- Wie lange soll der Komposthaufen, den der Dachs bekommen hat, seiner bleiben? Dieses Jahr? Für immer?

Als ich sehe, wie schnell die Natur dabei ist, den Haufen zurück zu erobern und ihn bereits wieder mit neuen Pflanzen bedeckt hat, denke ich, dass es wohl für ewig ist. 

Ich kann mir leicht vorstellen, wie er sich wie ein kleiner Hügel unter der Schneedecke des Winters abzeichnen würde. Da drinnen wird es zu einem warmen und gemütlichen Heim für verfrorene Wesen. 

 

Somit werden Osse Katzenkönigs Worte noch verständlicher.

Es geht nicht nur um Gewächse und wilde Tiere.

Es geht auch um Menschen. 

 

Mehr oder weniger wild.