Die folgende Erzählung schrieb Siv nach einer Meditation zu einem sehr eindrucksvollen Traum, den ich hatte. 

Eine andere Arche Noah

Das erste, was mir auffällt, ist das Licht.

Es ist ein schimmerndes, weißes Licht über dem offenen Meer.

Es ist ein ganz machendes, heilendes Licht.

Das große weiße Schiff ist aufgefüllt und eingehüllt mit diesem Licht.

Das war nicht immer so gewesen.

 

Das erste Mal höre ich von diesem Schiff, als eine Frau zu mir kommt, um mit mir gemeinsam über einen Traum zu meditieren, den sie hatte.

Sie hat von einem Schiff geträumt.

Sie faltet ein Stück weißes Papier auf und fängt an zu lesen.

Sie liest über das Schiff.

Über Ganz machendes und Heilendes liest sie.

Sie führt uns an Bord.

Danach erzählt sie einiges darüber, was zuvor auf dem Schiff passiert war.

Es ist mir unmöglich, es wieder zu geben. Unerträglich.

So etwas soll nicht weiter erzählt werden.

Deshalb darfst du es auch nicht wissen. Aber ich glaube, du kannst es erahnen.

 

Die Frau macht das einzig Richtige, was man mit einem solchen Traum machen kann.

Sie krallt sich nicht in Fragen fest um das Warum.

Sie verlangt keine Rache.

Sie flüchtet nicht.

Sie macht sich daran, alles wieder ganz und heil zu machen.

Das ist ihre Aufgabe in dem Traum.

Sie will nicht. Wir wollen nie, aber sie macht es trotzdem.

 

Jetzt stehe ich an Bord des Schiffes.

Mir fällt die Stille und Bewegungslosigkeit auf.

Menschen in heller bequemer Kleidung sitzen an der Reling, hier auf dem oberen Deck.

Sie sitzen hier und strahlen Ruhe und Frieden aus.

Ich sehe, dass niemand etwas bei sich trägt. Nicht einmal ein Mobiltelefon.

Ihre Gesichter sind entspannt. Die Masken sind gefallen.

Ich lächle, als ich einen Mann sehe, den ich kenne.

Er hat sich ganz nach vorne gesetzt.

Wachsam und entspannt lebt er seinen Auftrag als Der, Der Sieht. Denn hier, an Bord des Schiffes, leben alle ihr Höchstes Bestes.

 

Ich sehe spielende Kinder. Aber ich sehe keine Spielsachen. Die Kinder sitzen zu Füßen der Erwachsenen. Sie spielen miteinander. Es scheint wie eine Art Fingerspiel.

Und ich sehe einen Hund. Einen großen Hund, der unter einer Bank schläft.

Ich habe schon zuvor mehrere Tiere gesehen.

Und ich sehe die große, stattliche, bedrückende Kommandobrücke.

Und mitten auf dem Deck sehe ich einen altmodischen Aussichtsturm. So einen richtig alten wie man ihn vielleicht auf einem Mittelaltergemälde sehen könnte.

Die Pflanzen, die die Frau für die Heilung gesät hat, erblühen bereits.

Ein Teil von ihnen ist sogar schon fertig für die Ernte!

Die Kraft der Pflanzen scheint enorm an Bord des Schiffes. Und das ist notwendig. Denn sowohl Menschen wie auch Tiere an Bord benötigen Heilung und Genesung.

 

Im Schiff habe ich Räume zum Schlafen und Ausruhen gesehen.

Ein Restaurant habe ich besucht, in dem gutes und gesundes Essen und Getränke serviert wird.

 

Ich wende den Blick wieder zu den Menschen an der Reling.

Mir fällt der Mann ganz vorne auf. Der, Der Sieht, streckt sich ein wenig.

Seine Aufmerksamkeit wächst und schärft sich.

Er hat etwas entdeckt.

Nun sehe ich es auch.

Ein Vogel.

Ein wunderbar schöner, schwarzglänzender Rabe, voller Kraft, fliegt auf uns zu.

Im Schnabel hält er ein zusammen gefaltetes weißes Papier.

Ich fange es.

Und ich weiß, dass ich jetzt bald den Namen des Schiffes erfahren werde.

Bald weißt du es auch. 

Der Vogel dreht eine Runde über den Menschen, wie ein Gruß, bevor er wieder davon fliegt.

Er fliegt vor uns. 

Er fliegt in unserer Fahrtrichtung.

 

Ich falte das Papier auseinander, und ich lese das Wort, das darauf geschrieben steht:

 

ENDLICH